Evaluation des Wettbewerbs
2005 bis 2009

In einem gemeinsamen Forschungsprojekt von Stifterverband und

Fachhochschule Osnabrück ging es um die Frage: Lassen sich nach-

haltige Effekte bei Kommunen beobachten, die am Wettbewerb

„Stadt der Wissenschaft“ teilgenommen haben?


Die Untersuchung bestand aus qualitativen Experten-Interviews und einer
quantitativen Vollerhebung mittels eines schriftlichen Fragebogens. Befragt
wurden Ansprechpartner aus den Städten, die sich in den Wettbewerbs-
runden zwischen 2005 und 2009 beworben hatten. Die wichtigsten Ergeb-
nisse im Überblick:


Der Wettbewerb war erfolgreich.

Die ersten fünf Jahre "Stadt der Wissenschaft" können als Erfolg gewertet
werden: 85 Prozent der in der Vollerhebung (n=46) befragten Städte ver-
buchen positive Effekte durch den Wettbewerb. Dazu gehören der Aufbau
und die langfristige Etablierung leistungsfähiger Netzwerke ebenso wie in-
novative Formen der Wissenschaftskommunikation.

38 Prozent der Städte haben auch ohne Titelgewinn den größten Teil der
Veranstaltungen aus der Bewerbung umgesetzt. Einige dieser Veranstaltun-
gen waren so erfolgreich, dass sie mittlerweile fester Bestandteil des Ver-
anstaltungskalenders der Stadt sind. Die gemeinsame Durchführung von
Veranstaltungen wird dabei als wichtiger Faktor der Netzwerkbildung einge-
stuft.

Die Bedeutung von Wissenschaft in der Standortpositionierung ist in 55 Prozent
der Städte gestiegen; in 42 Prozent wurde das städtische Profilierungskonzept
unter dem Blickwinkel "Wissenschaft" neu aufgestellt. Mit dem Anwerben von
Forschungseinrichtungen oder "High Potentials" sind in den Städten neue Wir-
kungsfelder mit hoher Bedeutung für das lokale Wissenschaftssystem hinzuge-
kommen. Diese Akzentverschiebung in der Wirtschaftsförderung und im Stadt-
marketing wird zum Teil auf die Wettbewerbsteilnahme zurückgeführt.

Der Stifterverband erzielte mit dem Wettbewerb "Stadt der Wissenschaft" bei
vergleichsweise geringem Preisgeld eine große Hebelwirkung. Gerade das ge-
ringe Preisgeld im Vergleich zum Bewerbungsaufwand und dem hohen finan-
ziellen Investment der Siegerstädte wurde von vielen der befragten Kommunen
allerdings kritisiert.


Der Wettbewerb war aber nicht für alle Städte gleichermaßen erfolgreich.

Die Clusteranalyse weist knapp die Hälfte der Städte (49 Prozent) als "Wettbe-
werbsprofiteure" aus, diese haben die Bedeutung von Wissenschaft und For-
schung für die Standortprofilierung klar erkannt und strategisch verankert.
Auch ohne Titelgewinn haben diese Städte auf vielfältige Weise vom Wettbe-
werb profitiert.

Grafik "Vorreiter - Profiteure - Nachzügler"Die andere Hälfte, die wiederum in zwei
Gruppen zerfällt, hat vom Wettbewerb
weniger profitiert. Eine kleine Minder-
heit der Städte gehört zu den "Vorrei-
tern", die sich schon seit Jahren über
Wissenschaft profilieren und durch
den Wettbewerb keine nennenswer-
ten Impulse erhielten. Den größeren
Anteil haben die "Nachzügler", die die
strategische Einbindung von Wissen-
schaft in die Stadtentwicklung nicht
ernsthaft vorantreiben. In dieser
Gruppe finden sich überproportional
viele kleinere Städte.

Es fällt auf, dass die "Wettbewerbsprofiteure" zumeist aus Städten mittlerer
Größe stammen, die sich als Wissensstadt neu aufstellen wollen. Dieses
Ergebnis kann als Hinweis darauf gedeutet werden, dass der Wettbewerb
die unterschiedlichen Ausgangslagen der Städte stärker berücksichtigen
sollte. Kleine Städte sollten ggf. eine andere Unterstützung erfahren als
mittelgroße und große.


Ist der Wettbewerb auch in Zukunft erfolgreich?

Entscheidend für die nachhaltige Wirkung des Wettbewerbs ist die Unter-
stützung durch die Kommunalpolitik. In einigen Städten verdichten sich
die Anzeichen, dass sich viele Ratsmitglieder trotz anders lautender
Ratsbeschlüsse eine große Distanz gegenüber Wissenschaftsthemen
bewahren und zu "Entwicklungsblockaden" werden. Der Stifterverband
könnte gezielt Formate entwickeln, die Kommunalpolitikern die Bedeu-
tung von Wissenschaft für die Stadtentwicklung vermitteln.

Einige der befragten Städte fordern eine stärkere europäische bzw. inter-
nationale Ausrichtung des Wettbewerbs sowie die Organisation eines
Netzwerkes von Wissenschaftsstädten. Hier könnte sich für den Stifter-
verband mit dem Aufbau einer Plattform zum Austausch von europäi-
schen Best-Practice-Projekten ein neues Betätigungsfeld eröffnen.

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